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Geschichte der Geodäsie

Ein Extrakt aus der Geschichte der Geodäsie

Die Menschheit ist schon seit vielen Jahrhunderten an der Gestalt und Größe der Erde interessiert. In den früheren Jahrhunderten war das Interesse natürlich durch kleinere benötigte Lebensräume eingeschränkt. Später, als sich der Tauschhandel durchsetzte, erweiterte sich das Interesse ständig. Schließlich wurde mit der Entwicklung des Transportwesens die gesamte Erde interessant. Das größte Interesse bezog sich dabei auf die Form, Größe und Zusammensetzung der Erde.

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Viele Jahrhunderte v. Chr. entwickelten sich die Theorien von der Erde als Scheibe (Homer) über die Erde als schwebendes Objekt (Anaximines) oder Zylinder (Anaximander) bis zur Kugelgestalt (Pythagoras). Etwa einhundert Jahre später versuchte Aristoteles die Kugelgestalt der Erde zu beweisen. Aristoteles benutzte auch den Begriff GEODÄSIE neben dem Begriff GEOMETRIE zum ersten Mal. Griechisch bedeutet Geodäsie "die Erde teilen".

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Als sich die Theorie der Kugelgestalt der Erde bei den Griechen weitgehend durchsetzte, gab man sich alle Mühe, die Größe der Erde festzustellen. Plato schätzte den Umfang der Erde mit 40 000 Meilen, während Archimedes durch eine Approximation auf 30 000 Meilen kam. Währenddessen versuchte der griechische Gelehrte und Philosoph Erastosthenes (276 bis 194 v. Chr.) in Ägypten mehr aussagekräftige Messungen durchzuführen.

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Plato - Aristoteles

Er beobachtete, dass zur Zeit der Sommersonnenwende, die Sonne in der Stadt Syene (Aswan) auf den Grund eines Brunnens schien (kein Schattenwurf). Zur selben Zeit beobachtete er die Sonne in Alexandria und stellte fest, dass sie nicht direkt vertikal über der Stadt stand, sondern einen Schatten mit einem Winkel von 7° 12“ warf. Aufgrund dieser Erkenntnisse konnte er die Entfernung zwischen Syene und Alexandria mit 500 Meilen bestimmen, da sich die beiden Städte auf dem selben Meridian befanden. In weiterer Folge gelang es ihm, den Erdumfang mit 46250 km, für damalige Verhältnisse, sehr genau zu bestimmen.

Erastosthenes benutzte folgende Formel:
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D...Erdumfang, d...Distanz Alexandria-Syene, A...360°, a...Schattenwinkel des Vertikalstabes

Bis ins 19. Jahrhunderte befassten sich vorwiegend Mathematiker, Astronomen und Physiker mit geodätischen Aufgabenstellungen und Problemen. Für die Durchfühtung von Außenarbeiten waren Begriffe wie Landmesser, Feldmesser oder Geometer gebräuchlich. Als Überbegriff setzte sich im deutschsprachigen Raum der Begriff "Vermessungswesen" durch.

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Mittlerweile entwickelte sich die Berufssparte Geodäsie und Geoinformation zu einer stark naturwissenschaftlich geprägten Ingenieurdisziplin. Weitere Anwendungsgebiete entstanden im Bereich der Raumplanung und Dorferneuerung.

Über die Jahre wurden die klassischen Messwerkzeuge durch vollautomatisierte Geräte (Totalstationen, Satellitentechnologien, Fernerkundungssensoren, usw.) abgelöst. Die Geoinformation verarbeitet und analysiert die erhobenen Daten aus allen Bereichen mit den computergestützten Verfahren der Geoinformatik.

Anmerkung

Die Messung von Längen, Winkeln und Höhen waren lange Zeit die Grundlage jeglicher Vermessung. Im 19. Jahrhundert kam die Photogrammetrie dazu, welche sich mit der Erfassung der Erdoberfläche mittels stereoskopischer Aufnahmen von der Erde, vom Flugzeug oder vom Satelliten aus beschäftigte. Später wurden Messmethoden zur genauen Bestimmung von Größe und Richtung der Schwerkraft entwickelt, welche für genaueste Höhenbestimmungen mit dem Nivellier bekannt sein muss. In den achziger - und neunziger Jahren wurde die Positionsbestimmung und Navigation durch GPS (Global Positioning System) revolutioniert, wodurch eine dramatische Vereinfachung und Beschleunigung der Messungen im Gelände erreicht wurde.

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